| |
Ziel der Pflegeforschung in der Klinik
für Tumorbiologie ist es, den Patienten ein pflegerisches
Angebot zu können, das dem aktuellen Stand der
wissenschaftlichen Erkenntnis entspricht.
Da die Pflegeforschung in Deutschland noch eine sehr
junge Disziplin ist, erfordert dies zunächst Grundlagenarbeit,
auf die in der Zukunft aufgebaut werden kann. Zentrales
Anliegen war zunächst, ein praxistaugliches System
von Pflegediagnosen zu erarbeiten. (Die wissenschaftliche
Begleitung dieses Projektes wurde von der Robert-Bosch-Stiftung
unterstützt). Heute arbeiten alle Pflegenden in
der Klinik für Tumorbiologie mit diesen Diagnosen,
um eine Pflege zu gewährleisten, die bestmöglich
den Bedürfnissen der Patienten entspricht. Nächstes
Forschungsziel ist, herauszufinden, inwiefern mit Hilfe
dieser Systematik der Pflegediagnosen auch die pflegerische
Leistung besser erfasst werden kann.
Erwartungen der Patienten an die Behandlung
Ein weiteres Forschungsprojekt beschäftigt sich
damit, was Patienten von ihrer Behandlung im Krankenhaus
erwarten. Mit Interviews wird nach den entscheidenden
Kriterien gesucht, die den Aufenthalt in einer Klinik
erfolgreich machen. In diesem Projekt werden bewusst
die Grenzen der Pflege überschritten, denn aus
Sicht der Patienten ist immer auch das Zusammenspiel
der verschiedenen Berufsgruppen ein wichtiger Aspekt
bei der Krankheitsbearbeitung. (Unterstützung durch
die Fördergesellschaft Forschung Tumorbiologie.)
Spezielle therapeutische Angebote der Pflege sollen
künftig ebenfalls mit einer systematischen Methodik
überprüft werden. Nicht nur die vom Gesetzgeber
geforderte wissenschaftliche Belegbarkeit (Evidenz)
unserer Arbeit, sondern auch unser eigenes Selbstverständnis
verlangen danach
Pflegeberatung bei Mukositis
Unter einer oralen Mukositis (Stomatitis) versteht
man eine Entzündung der Mundschleimhaut. Sie
ist eine der unerwünschten Nebenwirkungen von
Chemo- und Strahlentherapie bei Krebserkrankungen,
welche häufig die Lebensqualität der Betroffenen
stark einschränkt. Die Beschwerden reichen von
leichten bis sehr starken Schmerzen, trockener Mundschleimhaut,
sowie Schluckbeschwerden und daraus resultierender
Unfähigkeit, ausreichend Nahrung und Getränke
zu sich zu nehmen. Bei einigen Chemotherapien führt
die orale Mukositis dazu, dass die Chemotherapie
unterbrochen oder die Dosis des Medikamentes reduziert
werden muss. Dadurch kann sich die Behandlung verzögern
oder muss im extremen Fall sogar abgebrochen werden.
Der Ausprägungsgrad der Mukositis wird von vielfältigen
Faktoren beeinflusst. Er ist abhängig vom Medikament,
von der Tumorerkrankung sowie von individuellen Faktoren.
Im Laufe der letzten 20 Jahre wurden viele Strategien
zur Vorbeugung und Behandlung der oralen Mukositis
getestet. 2004 wurde die erste internationale Therapieleitlinie
zum Thema Mukositis publiziert, deren Umsetzung jetzt
in vielen Einrichtungen des Gesundheitswesens diskutiert
wird. Allerdings konnte trotz der großen Anstrengungen
noch nicht geklärt werden, welches Verfahren den
größten Nutzen erbringt.
Viele gefährdete Patienten können die prophylaktischen
Maßnahmen nach entsprechenden Beratungsgesprächen
mit dem Pflegepersonal selbstständig zu Hause
durchführen. Eine konsequente Einhaltung der empfohlenen
Mundpflege verringert das Auftreten der beschriebenen
Komplikationen. Offensichtlich könnte also eine
rechtzeitige und gezielte Information, Anleitung und
Beratung von Patienten eine erfolgversprechende Vorbeugung
gegen orale Mukositis sein. Dieser Gesichtspunkt wurde
in den bisherigen Studien kaum berücksichtigt
und bildet deshalb die zentrale Zielsetzung einer randomisierten,
kontrollierten Studie an der Klinik für Tumorbiologie.
Es geht darum, die Wirksamkeit eines standardisierten
Beratungsprogramms zur Vorbeugung beziehungsweise zur
Verminderung der oralen Mukositis zu untersuchen und
gleichzeitig die Frage zu klären, ob dadurch eine
Verbesserung der Lebensqualität der Betroffenen
erzielt werden kann.
Im Rahmen einer randomisierten, kontrollierten Studie
der Klinik für Tumorbiologie sollen die Effekte
des neuen pflegerischen Beratungsprogramms im Vergleich
mit der herkömmlichen Betreuung über einen
Zeitraum von 18 Monaten (April 2009 bis September 2010)
verglichen werden. Die Studie wird in der Verantwortung
des Direktionsbereichs Pflegedienst und Pflegeforschung
und der Praxis für Interdisziplinäre Onkologie
und Hämatologie in der Klinik für Tumorbiologie
durchgeführt.
Die Förderung erfolgt durch die Fördergesellschaft
Forschung Tumorbiologie e. V. Die Studie wird im Vorfeld
der Ethik-Kommission der Albert-Ludwigs-Universität
Freiburg zur Begutachtung vorgelegt. |
|
 |